1. Einleitung
Das seit 1.1.2005 geltende Gesetz zum „Neuen Kommunalen Finanzmanagement“ (NKF) ist zentraler Bestandteil eines umfassenden Reformprozesses in der kommunalen Haushaltswirtschaft. Neben der Umstellung der Finanzbuchhaltung von Kameralistik auf Doppik wird zukünftig auch eine „Steuerung“ der kommunalen Entwicklung über Ziele und Kennzahlen gefordert. Dazu ist ein kennzahlenorientiertes Steuerungs- und Berichtssystem aufzubauen. Dieses bildet auch die Basis für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung.
Grundlage für eine erfolgreiche Steuerung der Gemeinde Morsbach ist, dass die Ziele und Strategien zur mittel- bis langfristigen Ausrichtung der Gemeinde bekannt und dokumentiert sind. Dazu hat die Führungsspitze der Gemeinde Morsbach in einem Workshop ein Leitbild erarbeitet. Unter dem Motto „Morsbach 2015“ wurde die langfristige Ausrichtung der Gemeinde Morsbach beschrieben. Folgende Kernfragen standen bei der Entwicklung des Leitbildes im Vordergrund:
- „Wo wollen wir hin?“ (Vision = Langfristige Ziele)
- „Wie kommen wir dahin?“ (Strategie)
- „Woran machen wir die Zielerreichung fest?“ (Kennzahl / Messgröße)
- Welche Rahmenbedingungen und Restriktionen müssen wir beachten?
Das Leitbild liefert ein konkretes Bild der gewünschten Zukunft der Gemeinde Morsbach. Die Schwerpunkte der Entwicklung werden festgelegt und priorisiert. Damit ist sichergestellt, dass alle zukünftigen Ziel- und Strategieplanungen in einem gemeinsamen Zielkorridor erfolgen.
Die weitere Detaillierung der Visionsziele in operative Jahresziele und die Umsetzung der Strategien in konkrete Maßnahmen erfolgen in einer Planungsrunde. Dabei werden zunächst die strategischen Eckdaten für das Jahr mit der Politik abgestimmt. Anschließend werden auf dieser Basis die operativen Maßnahmen in den Fachbereichen geplant und budgetiert. Die Ergebnisse fließen in den Haushaltsplan ein.
2. Das Leitbild der Gemeinde Morsbach
Im Mittelpunkt der zukünftigen Entwicklung der Gemeinde Morsbach stehen die Themen „Jugend und Bildung“, „Arbeit und Wohnen“, „Infrastruktur“ sowie „Zukünftige Energieversorgung“. Für diese Themen sind konkrete Ziele und Kennzahlen sowie Aussagen zur Strategie für die Umsetzung zu beschreiben.
2.1 Rahmenbedingungen
Die Rahmenbedingungen beschreiben alle übergeordneten Aspekte. Sie geben den Handlungsrahmen der Gemeinde Morsbach für die im Leitbild definierten Ziele sowie für die Umsetzung der Strategien und Maßnahmen vor.
- „Wir legen großen Wert auf den Zusammenhalt in unserer Gemeinde. Die demographische Entwicklung findet in allen Bereichen Berücksichtigung.“
- „Unsere Umwelt werden wir durch gemeinsame Anstrengungen schützen und erhalten.“
- „Unsere Verwaltung arbeitet effizient und kundenorientiert.“
- „Wir betreiben eine solide Haushaltspolitik und streben einen langfristig ausgeglichenen Haushalt an.“
- „Bei Investitionen achten wir darauf, dass sie durch Abschreibungen „verdient“ wurden.“
- „Bei all unseren Entscheidungen spielt das „wirtschaftliche Handeln“ eine wichtige Rolle.“
2.2 Leitsätze zur zukünftigen Entwicklung der Gemeinde Morsbach
Die Leitsätze bilden die oberste Ebene eines Zukunftsbildes. Sie beschreiben die Handlungsfelder der zukünftigen Entwicklung. In jeder Jahresplanung werden ausgehend von diesen Handlungsfeldern die Prioritäten für das Haushaltsjahr festgelegt.
Zu jedem Leitsatz gibt es strategische Ziele und Kennzahlen. Ergänzend wird der Nutzen dieser Ziele - „ Das bedeutet für uns“ - für die Gemeinde beschrieben.
Die Strategieaussagen - „ Damit erreichen wir unsere Ziele“ - liefern erste Anhaltspunkte zur Umsetzung der strategischen Ziele. Sie sind in einer Planungs- oder Strategierunde zu konkretisieren und mit operativen Zielen und Maßnahmen zu versehen.
2.2.1 „Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unserer Gemeinde“
Mit diesem Leitsatz setzt die Gemeinde Morsbach einen Schwerpunkt auf die Unter-
stützung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es gilt Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen Kindern und Jugendlichen eine zukunftssichere Entwicklung in der Gemeinde Morsbach ermöglichen. Dazu gehört alles, was direkt oder indirekt zur Bildung beiträgt, auch das „Kümmern“ der vorschulischen Betreuung von Kindern. Ebenso sollen für die Freizeitgestaltung Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche eine positive soziale Entwicklung unterstützen. Morsbach will sich damit als „familienfreundliche Gemeinde“ etablieren.
Das sind unsere Ziele dazu:
- In unserer Gemeinde haben Kinder und Jugendliche hervorragende Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.
- Kindern und Jugendliche nutzen in unserer Gemeinde attraktive Freizeit-möglichkeiten.
- Es gibt eine bedarfsgerechte Betreuung für Kinder im Vorschulalter.
- Wir sind als familienfreundliche Kommune bekannt.
Das bedeutet für uns:
- Erhalt und Weitergabe unserer traditionellen und kulturellen Werte.
- Ein langfristig höheres Bildungsniveau.
- Unsere Jugendlichen besitzen soziale Kompetenz und sind gut für das Berufsleben qualifiziert.
- Unterstützung und Entlastung der Familien in der Gemeinde.
- Verbesserung der Lebensqualität für Familien mit Kindern.
- Vermeiden sozialer Fehlentwicklungen.
- Langfristige Senkung der Sozialkosten.
Das sind die Kennzahlen zur Zielverfolgung:
- Die Anzahl der Schulabbrecher in unseren Schulen.
- Die Ausbildungsquote bei den Schulabgängern und in den Betrieben.
- Die Entwicklung der Jugendstraftaten.
- Die Anzahl der Schüler, die den Übergang in die Sekundarstufe II schaffen.
- Die Verfügbarkeit von Kindergartenplätzen in Bezug zum Bedarf.
- Die Anzahl der Besucher im Jugendzentrum.
- Der Anteil der Jugendlichen bei den Vereinen.
- Die Kinderquote (in den Familien), Geburtenrate.
- Die Anzahl der neu gegründeten Familien.
Damit erreichen wir unsere Ziele (Strategieaussagen):
- Wir unterstützen und fördern die Jugendarbeit der Vereine.
- Wir schaffen ein bedarfsgerechtes Freizeitangebot.
- Wir stellen die moderne Ausstattung unserer Schulen sicher.
- Wir unterstützen private Initiativen zur Kinder- und Jugendbetreuung.
- Wir setzen uns aktiv für die Schaffung von Ausbildungsplätzen ein.
- Wir schaffen Rahmenbedingungen für das Zusammenleben von Alt und Jung.
- Wir informieren über unsere Angebote und Leistungen.
- Wir schaffen alle Voraussetzungen für den Erhalt der Sekundarstufe I und die Errichtung der Sekundarstufe II am Schulstandort Morsbach und sind bestrebt, das Schulangebot im Bereich der weiterführenden Schulen im Ganztagsbetrieb zu führen.
- Wir schaffen die Voraussetzungen für eine Verbundgrundschule.
2.2.2 „Unsere Bürger und unsere Unternehmen sind gerne in Morsbach“
Mit diesem Leitsatz betont die Gemeinde Morsbach das Zusammenwirken von Leben und Arbeiten in Morsbach. Kerngedanke ist zum einen, dass sich die Lebensqualität für Bürger verbessert, wenn Sie einen Arbeitsplatz in der Nähe ihres attraktiven Wohnumfeldes haben. Zum anderen stehen den ortsansässigen Unternehmen mehr qualifizierte und flexible Mitarbeiter zur Verfügung. Das Ziel ist, die Synergien aus der Verknüpfung beider Aspekte für die Entwicklung der Gemeinde zu nutzen. Die vorhandenen Ressourcen, wie die attraktive Landschaft, die vorhandene Vereinskultur, das Sport- und Freizeitangebot etc. sind dabei einzubeziehen und weiterzuentwickeln. Die ansässigen Unternehmen gilt es zu binden und neue Unternehmen sollen nach festzulegenden Auswahlkriterien gezielt angeworben werden.
Das sind unsere Ziele dazu:
1. Unsere Bürger genießen eine gute Wohnqualität zu einem attraktiven Preis.
2. Die Mehrzahl unserer Bürger hat einen Arbeitsplatz in Wohnortnähe.
3. Wir sind eine kompetenter Partner für Unternehmen.
4. Wir haben ein auf den Bedarf ausgerichtetes Sport- und Freizeitangebot.
Das bedeute für uns:
- Stabile Einwohnerzahlen.
- Wir sind eine attraktive Gemeinde für Neubürger.
- Die Zufriedenheit unserer Bürger steigt.
- Die Unternehmen haben zufriedenere und leistungsfähigere Mitarbeiter:
Wettbewerbsvorteil.
- Wir sichern unsere Steuerkraft.
Das sind die Kennzahlen zur Zielverfolgung:
- Anzahl der Einpendler und Auspendler.
- Anzahl der Arbeitsplätze in der Gemeinde im Verhältnis zu den Arbeitstätigen.
- Arbeitslosenquote.
- Anzahl und Größe der Unternehmen nach Branchen.
- Anzahl der Unternehmenszu- und -abgänge.
- Gewerbesteueraufkommen.
- Anzahl der in Morsbach gemeldeten Haushalte.
- Verweildauer der Einwohner.
- Anzahl der Neuansiedlungen (bisher nicht in Morsbach gemeldet).
- Auslastung der Sport- und Freizeiteinrichtungen.
- Grundstücks- / Wohnpreisindex.
- Gebührenbelastung der Bürger.
- Beschwerdeaufkommen.
Damit erreichen wir unsere Ziele (Strategieaussagen):
- Wir schaffen familiengerechte Wohnumfelder.
- Wir erschließen (neue) Wohngebiete in attraktiven Lagen zu günstigen Preisen.
- Wir bieten bedarfsorientierte Sport- und Freizeiteinrichtungen an.
- Wir stärken unsere Vereine und Gemeinschaften und fördern das Ehrenamt.
- Wir verbessern stetig unseren Bürgerservice.
- Wir pflegen einen engen Kontakt zu unseren Unternehmen.
- Wir achten auf einen ausgewogenen Branchenmix bei den Gewerbeunternehmen.
- Wir unterstützen die Standortsicherung unserer Unternehmen durch eine bedarfsgerechte Bauleitplanung.
- Wir bewerben gezielt die Leistungen unserer Gemeinde.
- Wir bieten Stätten für kulturelle Veranstaltungen.
2.2.3 „Unsere Infrastruktur ist für den Zusammenhalt in unserer Gemeinde von besonderer Bedeutung“
Dieser Leitsatz betont die Bedeutung einer funktionierenden Infrastruktur für eine Flächengemeinde wie Morsbach. Neben dem Straßen- und Wegenetz zählen dazu auch die Versorgung mit Einkaufs- und Dienstleistungsleistungen, die Gesundheitsversorgung, die Anbindung an Schulen und Freizeiteinrichtungen und nicht zuletzt die Entsorgung mit all Ihren Aufgaben. Zu überlegen ist, wie das Angebot der Oberzentren sinnvoll genutzt werden kann.
Bei der Vielzahl der Ortschaften und dem weit verzweigten Straßen- und Wegenetz ist dies nur mit erheblichem Aufwand sicherzustellen. Durch die ausgeprägte Topographie der Landschaft in und um Morsbach ergeben sich zusätzliche Hürden. Für den Zu-sammenhalt als Gemeinde ist es aber unabdingbar, die Infrastruktur, orientiert an der Erschließungsrelevanz, zu erhalten.
Da die Mittel hierfür nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, gilt es, die Prioritäten für die zukünftige Entwicklung der Infrastruktur an die richtigen Stellen zu setzen. Dabei ist das Interesse der Gemeinde als Ganzes eindeutig vor Einzelinteressen zu stellen.
Das sind unsere Ziele dazu:
1. Unser Wege- und Straßennetz ist in einem guten Zustand erhalten und dem erschließungsbedingten Bedarf angepasst.
2. Die Anbindung des Zentralortes an das überörtliche Straßennetz hat sich
deutlich verbessert.
3. Für alle Ortschaften ist eine Grundversorgung sichergestellt.
4. Wir haben eine ausgewogene Einzelhandels- und Dienstleistungsstruktur mit einem bedarfsgerechten Leistungsangebot für unsere Bürger.
Das bedeute für uns:
- Wir bieten unseren Bürgern und Unternehmen eine gute Wohn- und Standortqualität.
- Wir binden die Kaufkraft in unserer Gemeinde.
- Wir erhalten unsere gewachsenen Ortschaften.
- Wir verbessern den Zusammenhalt in unserer Gemeinde.
Das sind die Kennzahlen zur Zielverfolgung:
- Klassifizierung des Straßenzustandes.
- Instandhaltungsaufwendungen.
- Investitionsquote in Infrastruktur.
- Abdeckungsgrad in der Grundversorgung (noch näher zu spezifizieren).
- Kaufkraftbindungsquote.
Damit erreichen wir unsere Ziele (Strategieaussagen):
- Wir achten auf eine wirtschaftliche Ausführung bei Instandhaltung und Investition.
- Wir sorgen für eine wirtschaftliche Auslastung der Infrastruktur.
- Wir senken die Erschließungskosten durch privatwirtschaftliche Abwicklung.
- Wir schaffen Rahmenbedingungen zum gezielten Ausbau des Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebotes im Zentralort.
- Wir binden unsere Bürger in den Erhalt und in die Pflege unserer Infrastruktur mit ein.
- Wir verbessern das Rad- und Wanderwegenetz.
- Wir streben für die zukünftige Nutzung der Bahntrasse die Verbindung der Radwegenetze an Agger und Sieg an, nachdem die Freistellung vom Bahnverkehr und Entlassung aus dem Denkmalschutz erfolgt ist.
2.2.4 „Die Energieversorgung unserer Gemeinde ist sicher und bezahlbar“
Dieser Leitsatz greift die immer wichtiger werdende Bedeutung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung auf. Bürger, Unternehmen und die Gemeindeverwaltung sind hier gleichermaßen betroffen. Die Belastungen durch die stetig steigenden Energiepreise werden immer größer. Es gilt, sowohl den Energieverbrauch zu senken, als auch der Preisentwicklung durch die Nutzung alternativer Versorgungswege entgegenzuwirken. Um die Abhängigkeit von Dritten langfristig zu reduzieren, wird angestrebt, die Energieversorgung in eigene Hände zu nehmen.
Das sind unsere Ziele dazu:
1. „Wir haben eine zukunftsorientierte und wirtschaftliche Energieversorgung.“
2. „Unsere Bürger und Unternehmen haben eine geringere Energiekostenbelastung als in vergleichbaren Gemeinden.“
3. „Wir sind in unserer Gemeinde zunehmend unabhängiger von externen Energieversorgern.“
Das bedeutet für uns:
- Unsere Gemeinde hat einen zusätzlichen Standortvorteil.
- Unsere Bürger haben mehr Geld für den Konsum.
- Unsere Unternehmen werden entlastet.
- Unsere Energieversorgung wird sicherer.
Das sind die Kennzahlen zur Zielverfolgung:
- Preisentwicklung der Energiearten.
- Anteil „regenerativer Energieträger“ an der Gesamtenergieversorgung.
- Anteil der „Direktversorgung“ über die Gemeinde an der Gesamtversorgung.
- Anzahl der Energie-Kunden der Gemeinde.
Damit erreichen wir unsere Ziele (Strategieaussagen):
- Wir bündeln die Nachfragekraft in unserer Gemeinde, um Energie günstig einzukaufen.
- Wir übernehmen stufenweise Aufgaben der Energieversorgung in eigene Hände.
- Wir nutzen die in der Gemeinde verfügbaren Energieressourcen.
- Wir erweitern unsere Bauentwicklungsplanung um Aspekte der Energieversorgung.
- Wir unterstützen innovative Ansätze zur Energieversorgung.
- Wir treffen Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs.
- Wir informieren regelmäßig über neue Entwicklungen im Energiesektor.











